Wie Corona den Handel schwächt und was jetzt hilft

Das Corona-Virus verbreitet sich weiterhin rasant in Deutschland und ganz Europa. Die Umsätze in den Drogerien und der Lebensmittelindustrie steigen – zumindest kurzfristig – enorm. Einzelhändler, die andere Güter verkaufen und ihre Läden schließen müssen, sind die Verlierer der Corona-Krise. Futtermittel dürfen sie teils weiterhin verkaufen, ansonsten aber schließen viele Reitsportläden – größtenteils auf unbestimmte Zeit.

Auswirkungen auf den stationären Handel

Der Handelsverband Deutschland (HDE) teilte bereits am 13. März mit, dass die Kundennachfrage stetig sinkt. Unter den rund 700 vom HDE befragten Handelsunternehmen waren es vor allem die mittelständischen Betriebe, die unter rückläufiger Nachfrage und geringerer Kundenfrequenz leiden. Insgesamt zwei Drittel der Befragten bestätigten einen deutlichen Rückgang der Nachfrage, etwas mehr als 50 Prozent der Unternehmen spürten bereits Anfang März einen deutlichen Rückgang.

Um die wirtschaftlichen Konsequenzen der Pandemie abzumildern, fordert der HDE Hilfe von Seiten der Regierung: Damit Unternehmen liquide und Arbeitsplätze erhalten bleiben, nennt der Handelsverband Maßnahmen wie die Stundung von Steuervorauszahlungen bei der Einkommensteuer, Körperschaftssteuer und Umsatzsteuer. Außerdem betont der HDE, dass der Einzelhandel speziell auf die Möglichkeiten von Kurzarbeitergeld angewiesen sein wird – solche Maßnahmen würden aber erst im April wirklich greifen. In einem Schreiben an Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte der HDE am 18. März schnelle und umfassende Hilfe für Handelsunternehmen, die zur Eindämmung der Corona-Infizierungen schließen müssen. Davon seien große Kauf- und Warenhausunternehmen, Fachmarktketten und viele tausende Mittelständler betroffen und massiv in ihrer Existenz gefährdet. Der HDE beziffert den Umsatzausfall durch die Schließung der Geschäfte bundesweit mit rund 1,15 Milliarden Euro pro Tag bzw. sieben Milliarden Euro pro Woche. „Betroffen sind viele kleine Textileinzelhändler, Schuh- und Sportgeschäfte, Parfümerien, Möbeleinzelhandel und Elektronikgeschäfte sowie Kauf- und Warenhäuser. Aber auch viele Online-Handelsunternehmen leiden unter der durch Corona verursachten Konsumzurückhaltung mit einem Umsatzrückgang von 20 bis 30 Prozent“, hält HDE-Präsident Josef Sanktjohanser fest.

Nach den bundesweiten Ladenschließungen am18. März, appellierte der HDE zudem an die Solidarität der Vermieter von Ladenlokalen, die Mieten auszusetzen und auf die laufenden Betriebskosten zu beschränken. Nur so könnten viele der Geschäfte die Corona-bedingte Schließung überstehen. „Von den Schließungen betroffene Händler haben kurz- und langfristig erhebliche Liquiditätsprobleme. Ohne Einnahmemöglichkeiten sind die laufenden Kosten nicht zu stemmen. Die Mietkosten machen dabei einen Großteil aus“, sagt HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth. Auch Mietstundungen nennt der HDE als eine Option. Genth betont: „Stabile Mieter sind auch im Interesse der Immobilieneigentümer. Der Handel braucht jetzt dringend Hilfe“. Zudem sei der Handel in der Lage, jeweils die höchsten Mieten am Standort zu zahlen. Ohne den stationären Handel würden diese Einnahmen in Zukunft ausfallen.

Auswirkungen auf den Online-Handel

Lieferengpässe und stornierte Aufträge lassen auch den Online-Handel in Zeiten des Corona-Virus leiden. Ein Blick auf die Umfrage des Händlerbundes von Anfang März 2020 liefert die entsprechenden Zahlen: Von den insgesamt 412 befragten Online-Händlern in Deutschland gaben 52 Prozent an, aufgrund von Zulieferern, Partnern und Dienstleistern Probleme dabei zu haben, ihre Leistung zu erbringen. 32 Prozent gaben zu dem Zeitpunkt an, (noch) keine Veränderungen zu bemerken, während 15 Prozent bereits Aufträge stornieren mussten und Umsatz einbüßten. Lediglich 1 Prozent der Befragten hätte ihre Leistung gesteigert. Allgemein betroffen von der Corona-Krise fühlen sich der Umfrage zufolge 70 Prozent der Online-Händler. Für die künftigen Wochen und Monate rechnen 45 Prozent der Befragten mit einem niedrigeren Umsatz, während 11 Prozent auf eine Umsatzsteigerung hoffen.

Aktuelle Forderungen und Maßnahmen

Am 19. März stellte der HDE ein 8-Punkte-Programm vor, um den Einzelhandel in der Corona-Krise zu unterstützen. Dieses Rettungsprogramm umfasst einen bundesweit einheitlichen Rechtsrahmen zu setzen, die Liquidität der Unternehmen durch Soforthilfen zu sichern sowie Steuern, Gebühren und Sozialversicherungsbeiträge zu stunden. Außerdem schlägt der HDE vor, Unternehmen für Vermögensschäden zu entschädigen, Gewerbemieten auszuschließen (vgl. oben) und das Arbeitsgesetz zu liberalisieren, um Arbeitnehmer unbürokratisch an Unternehmen zu verleihen, die dringend mehr Hände brauchen. Zwei weitere Aspekte des Programms sehen vor, die Logistik flächendeckend zu erleichtern sowie grenzüberschreitende Freizügigkeit der Arbeitnehmer und einen freien Warenverkehr zu sichern.

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