Storytelling im stationären Einzelhandel

Kunden binden, die Zielgruppe ansprechen, das eigene Reitsportfachgeschäft bekannter machen – dafür bietet die Online-Welt viele Möglichkeiten: Tipps zum Umgang mit Werkzeugen wie der eigenen Website, Sozialen Medien, lokalen Influencern u.v.m. finden Sie hier.

Allein in Deutschland kommunizieren täglich über 20 Millionen Nutzer über Facebook – viele weitere über Kanäle wie Instagram, Twitter und Co. Dieses Potenzial lässt sich auch für den stationären Handel nutzen. Dazu kommt eine Vielzahl an Influencern, die nicht nur Marken, sondern auch lokale Geschäfte unterstützen können. Der Weg von der Online- Präsenz in den Laden ist gar nicht so weit – denn viele Kunden möchten Waren vor dem Kauf noch erleben, erfahren und anfassen. Das gilt besonders für Reitsportausrüstung. Aber wie geht das, als Fachgeschäft online Präsenz zu zeigen und offline begeistern zu können? Eigeninitiative ist hier gefragt und Vorurteile müssen ausgeräumt werden. Denn nicht selten hört man beim Stichwort Social- Media-Marketing nur verhaltene Begeisterung von Geschäftsführern und Mitarbeitern. Die Skepsis ist groß: „Influencer-Marketing ist doch nur etwas für große Konzerne!“, „Storytelling
– braucht man nur um Filme zu drehen!“ oder „Personal Branding? Geht nicht. Meine Mitarbeiter wollen nicht vor die Kamera.“ Dabei gibt es kaum eine praktischere Möglichkeit, das eigene Fachgeschäft über das Internet bekannter zu machen, als Social- Media-Marketing. Dabei macht die moderne Online-Welt es Betrieben inzwischen besonders leicht, sodass sie viele Marketing-Aufgaben alleine abwickeln können.

Keine Angst vor der Online-Welt

Google, Facebook und Co. eignen sich nicht nur, um das eigene Fachgeschäft in der Umgebung bekannt zu machen, die Plattformen bieten noch mehr Potenzial: So lassen sich über diese Kanäle unter anderem Neukunden ansprechen, der Kundenkreis pflegen und einzelne Dienstleistungen bewerben. Der erste Schritt in die Online-Welt sollte für ein Reitsportfachgeschäft mit einem Eintrag in Google-My-Business beginnen. Dafür benötigt man lediglich ein Google-Konto, um den Eintrag zu erstellen, Angebote zu präsentieren und Bilder hochzuladen. Jedes Geschäft sollte diese Option nutzen und Kontaktdaten, Bilder sowie Angebote aktuell halten. Gerade auf die Bilder muss großer Wert gelegt werden, denn sie sagen bekanntlich mehr als tausend Worte. Der Eintrag in Google-My-Business ist eine kleine, digitale Visitenkarte für das Fachgeschäft und häufig der erste Kontakt, den Kunden haben. Von hier aus können sie Kontakt mit Ihnen aufnehmen, die Route zu Ihrem Fachgeschäft aufrufen oder auf Ihre Website gehen, um sich weiter zu informieren.

Facebook oder Instagram?

Auf welchen der vielen Online-Kanäle muss sich ein Reitsportfachgeschäft präsentieren? Die beiden wichtigsten sind aktuell Facebook und Instagram. Welchen Kanal Sie nutzen, kommt auf Ihre Zielgruppe an. Experten gehen davon aus, dass Kinder und Jugendliche eher über Instagram, Erwachsene (ab etwa 35 Jahre) besser über Facebook erreicht werden. Grundsätzlich ist zu empfehlen, alle Posts direkt über das Smartphone zu machen. Die Möglichkeiten sind enorm und man sollte es sich nicht anders angewöhnen. Das funktioniert mit dem Fotografieren sowie dem Drehen und Schneiden von Videos mit Apps wie zum Beispiel Quik oder KineMaster. Möchte man aus seinen Bildern schöne Graphiken erstellen oder sie mit einem passenden Schriftzug versehen, bieten viele Handys schon die passende App an. Andere lassen sich zumeist kostenfrei aus den App-Stores herunterladen. Eine kostenlose Alternative sind auch Anwendungen wie zum Beispiel Canva.

Storytelling

Geschichten erzählen sich die Menschen schon immer. Heutzutage tun sie das auch digital. Eine Funktion, die Instagram und Facebook gleichermaßen anbieten, ist die Story. Sie hält Freunde und Follower auf dem Laufenden und ist für sie 24 Stunden verfügbar. Für Fachgeschäfte bietet sie die Möglichkeit, authentisch am Alltag teilhaben zu lassen und lässt sich mit dem Handy ideal in Arbeitsabläufe integrieren. Beispielsweise wenn neue Ware kommt, eine Fahrt in den Stall zur Sattelanprobe durchgeführt wird oder ein neuer Mitarbeiter seinen ersten Arbeitstag schildert. Die Storys können viele Geschichten zeigen und begeistern. Sie sollen die Neugier wecken, den Kunden inspirieren und informieren.

Grundsätzlich lebt eine solche Geschichte davon, dass ihre Zuhörer oder Leser sich in sie hineinversetzen können. Konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche – die Details malt sich jeder selbst aus. Bauen Sie einen Spannungsbogen mit Hoch- und Tiefpunkten auf, denn diese erzeugen Spannung. Vermeiden Sie inhaltliche Sprünge und erklären Sie die Abläufe, die Sie zeigen. So vermeiden Sie Irritationen beim Nutzer. Beispielsweise kommen Bilder von Events, die Mitarbeiter im Portrait und authentische Ausschnitte aus der Arbeit gut an. Beweisen Sie, dass Ihr Fachgeschäft mehr ist als nur eine Ansammlung von Produkten und Dienstleistungen. Begeistern Sie Ihre Kunden mit Authentizität, Ihrem persönlichen Service – Dinge, die er nirgendwo anders findet. Zeigen Sie mit Ihrer Story, dass Sie Mehrwert für Ihren Kunden bieten, seine Probleme lösen und seine Wünsche erfüllen können.

Sie möchten wissen, was Ihre Follower gern wissen oder sehen möchten? Dann fragen Sie sie doch einfach. So können Sie über Storys eine Community bilden, haben neue Ideen für mögliche
Inhalte und bieten Raum für Interaktion.

Storytelling: Typischer Aufbau

■ Erzählen Sie die Story aus der Sicht des Kunden.
■ Am Anfang steht das Problem
■ Dieses wird durch das Fachgeschäft gelöst.
■ Am Ende steht das Happy End und ein zufriedener Kunde.

Kontinuität ist bei allen sozialen Netzwerken sehr wichtig. Eine allgemein gültige Regel gibt es aber nicht. Experten raten zu einem Intervall von mindestens zwei Mal in der Woche. In der Regel zahlt sich die Mühe in Reichweite aus. Allerdings braucht man etwas Geduld. Am Anfang sollten Sie die Erwartungshaltung etwas herunterzuschrauben. Es braucht eine gewisse Zeit, bis eine Seite anläuft.

Influencer

Warum sollten sich Reitsportfachgeschäfte nicht nur Gedanken über Facebook, Instagram und Co. – sondern auch über Influencer machen? Ganz einfach: Influencer haben einen großen Einfluss auf das Kaufverhalten ihrer Follower, sie bieten ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit und einen geringen Streuverlust – da sie sich meist sehr explizit an eine Zielgruppe richten. Dieser Effekt lässt sich auch lokal nutzen, um das stationäre Reitsportgeschäft zu fördern. Allerdings muss der Influencer zum Unternehmen und der Zielgruppe passen. Sie sollten authentischen Content bieten – und das plattformübergreifend und idealerweise auch lokal. Die drei wichtigsten Punkte bei der Auswahl des Influencers sind daher: Authentizität, Zielgruppe und belastbare Kennzahlen.

Mit Kritik umgehen

Nicht alle Kommentare und Reaktionen, die Reitsportfachgeschäfte über soziale Netzwerke bekommen, sind positiv. Deshalb ist die Sorge oft groß, öffentlich angeprangert oder kritisiert zu
werden. Der beste Schutz vor Kritik ist in der Regel eine gute Gemeinschaft. Diese kann man sich online sehr leicht aufbauen, indem man die Menschen mit in seinen Alltag nimmt. Eine starke Gemeinschaft stärkt einem in solchen Situationen den Rücken. Dann nehmen Dritte das angegriffenen Geschäft in Schutz. Man sollte die Angst vor Kritik jedoch nicht zu hoch hängen und in jedem Fall abwägen: Ist die Kritik berechtigt? Dann ist sie wertvoll. Oder ist sie unsachlich oder greift privat an? Dann kann man solche Kommentare auch von seiner Seite sperren.

Text: Jana Riemann & Kai Schwarz/equitrends International