Gefahren erkennen und vermeiden

Sicherheit steht beim Reitsport immer an oberster Stelle. Produkte wie Helme, Westen und Sicherheitsschuhe für Reiter tragen erheblich dazu bei. Lesen Sie hier, worauf Sie hinsichtlich Passform, Größe und Material bei der Beratung achten sollten.

Die Arbeit und der Umgang mit Pferden macht nicht nur Spaß – sie birgt auch Gefahren. Umsicht und die richtige Ausrüstung helfen, Verletzungen zu minimieren oder ganz zu verhindern. Aufgabe des Reitsporthändlers ist es, Kunden nach ihrem Alltag und ihren Gewohnheiten am und auf dem Pferd zu befragen und sie entsprechend zu beraten. Martin Heiland ist Mitarbeiter der Präventionsabteilung der SVLFG und außerdem selbst Pferdebesitzer und Züchter. Als Hauptursachen für schwere oder gar tödliche Unfälle benennt er unzureichende Gefährdungsbeurteilungen und Fahrlässigkeit: „Unfälle passieren vor allem am Boden und im engen Kontakt mit den Pferden. Ein echter Unfall-Schwerpunkt ist das Führen. Unfälle passieren hier vor allem durch Auskeilen oder wenn der Strick um das Handgelenk gewickelt wird.“ Neben Handschuhen sind deshalb Sicherheitsschuhe wichtig.

Sicherheitsschuhe

Heiland betont: „Die Verwendung von Sicherheitsschuhen im Pferdebetrieb ist Pflicht und ein wichtiger Schutz vor Fußverletzungen, wie z. B. Quetschungen.“ Hersteller wie Hobo Shoes und USG legen dabei neben wachsendem Komfort auch Wert auf modernes Design. Sicherheitsschuhe müssen zertifiziert sein und sollten den nötigen Zehenschutz bieten, die Sohlen müssen kraftbeständig sein. Heiland ergänzt: „Getragen werden sollten Sicherheitsschuhe in Situationen mit hoher Gefährdung, wie beim nahen Umgang mit dem Pferd am Boden. Beim Reiten sind keine Sicherheitsschuhe nötig.“ Im Test des Schuhwerks werden Stoßfestigkeit, Druckwiderstand sowie die Dämpfung und Fixierung der Kappe von Sicherheitsschuhen getestet. Das Team von Hobo Shoes ergänzt: „Sicherheitsschuhe müssen den Fuß vor Quetschungen und Brüchen schützen. Sie sollten im Reitsport knöchelhoch sein und eine rutschfeste Sohle haben. Die Bewegungsfreiheit des Gelenks muss durch Elastikeinsätze oder eine Schnürung gewährleistet sein. Die Schutzkappe bewahrt die Zehen vor Verletzungen mit einem Schutz auf 200 Joules. Das entspricht einem Druck von 1.500 kg bei einer Fallhöhe von Null.“

Außer dem CE-Zeichen gibt es das GS-Prüfzeichen als Kennzeichen. Die Abkürzung steht für „geprüfte Sicherheit“. Heiland hält fest: „CE muss sein. GS ist eine freiwillige, zusätzliche Prüfung mit höheren Anforderungen.“ Kennzeichnungen und Piktogramme jeder Art müssen deutlich sichtbar auf den Verpackungen angebracht werden. Des Weiteren soll eine Gebrauchsanleitung in deutscher Sprache allen PSA-Produkten beiliegen. Ausländische Kennzeichnungen sind unzulässig. Die Mitarbeiter von Hobo Shoes erwähnen außerdem die europäischen ISO-Normen als Qualitätskennzeichen. Die ISO-Norm bescheinigt dem Schuhwerk eine profilierte Laufsohle, sowie Antistatik und einen geschlossenen Fersenbereich.

Sicherheitswesten

Sicherheitswesten schützen Reiter im Falle eines Sturzes und können schwere Verletzungen verhindern – wenn sie richtig sitzen. Passgenaue Westen reduzieren die Aufprallenergie und sollen so Verletzungen minimieren. Außerdem soll die Weste einer entsprechenden Sicherheitsnorm entsprechen.

Die British Equestrian Trade Association, kurz BETA, ließ Sicherheitswesten prüfen und legte dafür einen Standard fest, der später für ganz Europa übernommen und in der DIN EN 13158,
der gültigen „Norm für Schutzkleidung im Reitsport“, festgelegt wurde. Hier werden drei Level unterschieden: Westen des Level 1 weisen eine geringe Schutzfunktion auf und werden
ausschließlich für professionelle Jockeys empfohlen. Westen mit Level 2 erfüllen einen mittleren Sicherheitsstandard, beispielsweise bei verschiedenen Rückenprotektoren. Westen mit
Level 3 bieten in der höchsten Schutzklasse einen umfangreichen Schutz – beim Turnierreiten, beim Training zu Hause und im Gelände.

Der eigentliche Protektor besteht in der Regel aus Kunststoff oder aus Schäumen. Sicherheitswesten sollen die Bewegungsfreiheit des Reiters nicht einschränken, dürfen aber im Falle eines Sturzes nicht rutschen. Experten raten, dass eine Sicherheitsweste den gesamten Umfang des Rumpfes abdecken sollte. An der Vorderseite sollte die Unterkante mindestens 2,5 Zentimeter unterhalb der Rippe, etwa in Höhe des Bauchnabels, enden. Am Hals sollte die Weste mindestens 2,5 Zentimeter über das Brustbein reichen. Seitlich darf die Lücke zwischen Beckenkamm (Hüftknochen) und Weste nicht mehr als drei Zentimeter betragen. Die Schulterriemen müssen die mittleren 50 Prozent des Schlüsselbeins abdecken. Das größte Verletzungsrisiko birgt der Rücken: die Sicherheitsweste muss entsprechend bis zum siebten Halswirbel reichen. Das ist der vorstehende Knochen unterhalb des Genicks. Zudem soll sie den oberen Beckenrand in Richtung Gesäß überlappen.

Achtung: Die Weste darf hinten nicht zu lang sein, sonst steht sie auf dem Sattel auf und wird nach oben geschoben. Um die ideale Rückenlänge für den Kunden zu ermitteln, bietet sich ein Sattel zum Testen an.

Reithelme

Neben Westen sollen auch Reithelme passgenau sitzen – und: stets getragen werden. Heiland bedauert: „Beim Reiten ist die Helmpflicht noch nicht überall durchgedrungen. Passiert jedoch
ein Unfall, haben wir teils schwerstverletzte Reiter ohne Helm, aber nur geringe oder gar keine Verletzungen dank Helm. In einigen Fällen wären die Betroffenen nicht mehr am Leben, hätten sie keinen Helm getragen.“ Auch bei Helmen, die ins Portfolio des eigenen Reitsportgeschäfts wandern sollen, gilt der erste Blick den Prüfzeichen. Bei der Anprobe im Laden sollte der Verkäufer darauf achten, dass der Helm richtig sitzt und gefällt. Fragen Sie nach, ob der Helm an einer Stelle drückt und geben Sie ausreichend Auswahl, um auch den Geschmack des Kunden
zu treffen – denn nur was gefällt, wird getragen.

Rechtzeitig austauschen

Die Persönliche Schutzausrüstung muss je nach Risikobeurteilung des Herstellers in unterschiedlichen Zeitintervallen ausgetauscht werden: Im Falle von Sicherheitswesten von USG beträgt
dieses Zeitfenster beispielsweise 7 Jahre. Für Reithelme liegt der Richtwert bei 4 bis 5 Jahren. Die Schutzwirkung der Helme kann beispielsweise durch ständige UV-Strahlung nachlassen. Wird Schutzausrüstung bei einem Sturz beschädigt, sollte sie direkt ausgetauscht werden. Bei Rissen, Löchern und porösen Stoffen ist ein Neukauf ebenfalls notwendig.

Text: Lisa Freudlsperger/ equitrends International