Fiese Krabbler: Zecken, Stechmücken und Co.

Der moderne Mensch entwickelte sich vor mindestens 200.000 Jahren. Zecken haben einen Vorsprung: Sie existieren seit 350 Millionen Jahren. Viel ist über sie schon bekannt, einige Rätsel gilt es noch zu knacken. Als Naturliebhaber kreuzen sich die Wege von Pferd und Reiter mit denen von Zecken häufig. Wir haben Fakten zu Zecken und andere Stechinsekten gesammelt, mit Experten über aktuelle Entwicklungen gesprochen und nachgefragt: Wie lautet die Prognose für 2020?

Sie wissen über die achtbeinigen Blutsauger bestens Bescheid: das Ehepaar Dr. Lidia Chitimia-Dobler, Tierärztin und Zeckenexpertin, und Dr. Gerhard Dobler, Mikrobiologe bei der Bundeswehr
und Koordinator des Projekts TBENAGER (Tick-Borne Encephalitis in Germany). In diesem untersucht er mit Partnern des Öffentlichen Gesundheitsdienstes sowie der Universitäten Hohenheim, Leipzig, München, Hannover und Magdeburg die Frühsommer- Meningoenzephalitis (FSME). Über 350 Millionen Jahre existieren Zecken. Körperlich verändert haben sich die Blutsauger im Laufe dieser Zeit nur wenig, aber sich wandelnde Lebensbedingungen betreffen auch die erfolgsverwöhnten Krabbler.

Deutschlands Zecken

Momentan sind weltweit ca. 910 Zeckenarten bekannt. Davon kommen etwa 60 in Europa vor und 20 in Deutschland. Auf Pferde – und Menschen – haben es zum Beispiel der gemeine Holzbock, die Auwaldzecke oder die Igelzecke abgesehen. Sie bevorzugen es eher feucht, was hierzulande in der Vergangenheit durchaus gegeben war. Der Holzbock ist die in Deutschland häufigste Zecke. Er kann Erreger übertragen, die zu Anaplasmose, Borreliose und FSME führen. Die Zahl der Zecken mit den gefährlichen Einzellern, Viren und Bakterien an Bord variiert regional.
Die Auwaldzecke kommt v. a. im Süden und Osten Deutschlands vor, scheint aber auf dem Vormarsch zu sein. Prof. Dr. Christina Strube vom Institut für Parasitologie der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover untersucht, wie verbreitet verschiedene Zeckenarten sind: „Die vorläufigen Ergebnisse legen nahe, dass die Auwaldzecke sich in Deutschland von Ost nach West ausbreitet. Noch vor einigen Jahren war als Grenze Magdeburg bekannt, mittlerweile finden wir diese Art jedoch auch schon bei Hannover.“

Rekordjahre, aber warum?

Das ungewöhnlich heiße, trockene Jahr 2018 gilt als Rekordjahr, was dieZeckenzahlen in Deutschland betrifft, und auch 2019 waren sehr viele der Krabbler unterwegs. Aber weshalb gab es so große Zecken-Populationen, wenn unsere heimischen Zecken Trockenheit nicht mögen? „Eigentlich waren wir davon ausgegangen, dass sie weniger aktiv sein müssten“, sagt Dr. Dobler. „Aber in unseren Studien sehen wir, dass sie einfach ein anderes Verhalten an den Tag legen.“ Dr. Dobler und seine Kollegen sammeln in Bayern allein pro Jahr durchschnittlich 30.000 Zecken, die auf das FSME-Virus untersucht werden. Bisher hielten sich die Blutsauger vor allem in den Übergangszonen von Wald zu Wiesen auf. „Stattdessen treten die Zecken jetzt vermehrt im Wald auf, wo es wohl noch sehr gute Bedingungen gibt“, hat Dr. Dobler beobachtet.

Vergangenheit und Zukunft

Die Anpassungsfähigkeit der Blutsauger spielt also eine Rolle. Darüber hinaus wird die Zahl der Zecken eines gegebenen Jahres auch von Bedingungen beeinflusst, die bereits in den Jahren zuvor geherrscht haben. Die Zecken, die 2018 so zahlreich vorkamen, entwickelten sich bereits 2016 und 2017. Relevant war dabei nicht nur das Wetter, sondern auch das Nahrungsangebot für Larven und Nymphen, also die frühen Entwicklungsstadien. Gibt es relativ wenige Nagetiere wie Mäuse, wirkt sich das auf die Parasiten aus, wie Dr. Dobler erklärt: „Vor allem die Larven und Nymphen saugen an Nagetieren Blut. Gibt es wenige Nagetiere, finden viele Larven und vor allem Nymphen keinen Wirt und überwintern ins nächste Jahr. Die Zeckenzahlen sind dann viel höher, als aufgrund der Berechnungen mit dem Wetter der Vorjahre zu vermuten wäre.“ Zuverlässige Vorhersagen zu künftigen Zeckenzahlen zu treffen, ist aufgrund der Komplexität des Zusammenspiels vieler Komponenten dennoch kaum möglich. Noch dazu unterscheiden sich die relevanten Faktoren regional. Dr. Dobler betont: „Es gibt bisher kein wirklich gut anwendbares Modell, um Vorhersagen machen zu können.“ Um in Zukunft genauere Aussagen über Zusammenhänge von Zeckenpopulationen und sich ändernden Bedingungen wie zunehmender Trockenheit treffen zu können, sind Langzeitstudien nötig.

Stichwort Hyalomma

2018 wurde erstmalig in Deutschland gehäuft von Hyalomma-Zecken berichtet. Diese stammen aus den Steppenregionen des Mittelmeers und Afrikas. Sie sind größer als Holzbock & Co. und gehen aktiv auf Jagd. Vereinzelte Exemplare hierzulande beschrieben Wissenschaftler bereits 2015. Doch 2018 und 2019 traten die Zecken vermehrt auf. Ob sie wirklich Neuankömmlinge waren, die über Zugvögel zu uns gelangten, oder ob sie schon früher bei uns lebten und nur nicht als Hyalomma-Zecken erkannt wurden, steht nicht fest. „Nachdem wir Bilder ins Netz gestellt hatten, sagten viele Leute, dass sie solche Tiere schon früher gesehen, aber für Spinnen gehalten hatten“, erinnert sich Dr. Dobler.

Die Erfahrungen aus 2018

Das ungewöhnlich heiße, trockene Jahr 2018 gilt als „das Rekordjahr“, was die Zeckenzahlen in Deutschland betrifft, und auch 2019 waren sehr viele der Krabbler unterwegs. Neben den schon lange bei uns heimischen Blutsaugern überstehen auch die Hyalomma- Zecken unsere Winter gut. „Nun haben wir einen noch milderen Winter gehabt. Das heißt, wir müssen davon ausgehen, dass ein ordentlicher Teil dieser sich 2019 entwickelten Zecken überlebt hat und 2020 aktiv sein wird“, sagt Dr. Dobler. Das Besorgniserregende: Hyalomma-Zecken bevorzugen Huftiere. Pferde stehen auf ihrer Liste der Lieblingswirte weit oben. Der milde Winter 2019/2020 könnte aber auch insgesamt zu geringeren Zeckenzahlen im Frühsommer führen: „Wenn wir schon früh 10 bis 15
Grad haben, sind die Zecken aktiv und vergeuden damit viel Energie“, weiß Dr. Dobler. Ohne genug geeignete Wirte kann es passieren, dass viele Zecken verhungern. „Dann kann es im Mai plötzlich zu einem Zusammenbruch der Population kommen.“ Inwieweit das dieses Jahr zutreffen könnte, bleibt aber abzuwarten.

Stichen vorbeugen

Bisher existiert kein Impfstoff, der gegen jede Zeckenart wirksam sein könnte. Es gibt aber sehr wohl einen Impfstoff, der gegen Stämme aller drei in Europa relevanten Borrelien-Arten wirkt. Ab einem Alter von 12 Wochen können Pferde geimpft werden. Die Zeckenabwehr durch Produkte, regelmäßiges Absuchen des Pferdes und möglichst schnelles Entfernen der Zecken (herausziehen, nicht drehen) sind daher extrem wichtig.

FSME-Risikogruppe Reiter

Gegen die gefährliche FSME ist für Menschen sehr wohl ein Impfstoff erhältlich und die Impfung laut Dr. Dobler empfehlenswert: „Bei der Borreliose und anderen Zeckeninfektionen haben wir Möglichkeiten der antibiotischen Therapie. Bei der FSME leider nicht. Wenn jemand erkrankt, ist es immer ein schicksalhafter Verlauf und kann medikamentös nur symptomatisch beeinflusst werden.“ Das Risiko für Reiter, an FSME zu erkranken, ist hoch, schlichtweg weil sie häufiger und länger in der Natur sind, wo Zecken sie erwischen können. Pferde erkranken eher selten an
FSME. Wenn die Erkrankung aber klinisch auffällig wird, verläuft sie schwer oder sogar tödlich.

In Bayern und Baden-Württemberg werden zwischen 85 und 90 Prozent aller menschlichen FSME-Fälle Deutschlands registriert. Ob klassisches Risikogebiet oder nicht, Pferdehalter sollten sich und ihre Pferde entsprechend schützen.

Text: Lena Schwarz/equitrends International

Produktinfos: Repellents und Insektizide

Um Stechmücken, Kriebelmücken, Zecken und Co. zu vertreiben, stehen auf dem Markt verschiedene Repellents bereit. Sie basieren entweder auf Basis synthetischer Stoffe, beispielsweise Diethyltoluamid (DEET), Icaridin oder ätherischer Öle, wie Eukalyptusöl oder Zitronenöl. Hersteller haben auf die aktuellen Entwicklungen der Plagegeister reagiert: Zum Beispiel Bremsenbremse von Zedan soll bereits die Überträgermücke des West-Nil-Virus sowie die Hyalomma-Zecke abschrecken. Außerdem ist es für Mensch und Pferd geeignet und basiert auf einem Wirkstoff-Komplex aus Icaridin und EC-Öl.

Andere Pferdehalter greifen lieber zur Strategie, die Tiere abzutöten. Insektizide sind dann das Mittel der Wahl. Hier sind die Auflagen jedoch höher. Pferdehalter müssen neben ihrer eigenen Gesundheit die des Pferdes mit im Blick behalten und diese synthetischen Stoffe sollten nicht zu großflächig eingesetzt werden. Spezielle Decken, z. B. von Pfiff halten die Plagegeister ebenfalls fern.

Als Händler sollten Sie als erstes herausfinden, ob Ihr Kunde eher auf der Suche nach einem Mittel mit natürlichen Inhaltsstoffen ist oder ob er eher chemischen Wirkstoffen
vertraut. Die Mittel variieren außerdem in Wirkungsdauer und Darreichungsform (z. B. Spray, Lotion, Gel etc.). Beim Auftragen sollten die Kunden darauf achten, dass sie Nüstern, Augen,
Schleimhäute sowie Wunden aussparen.